Legehennen | Masthähne 18.04.2019

Zweinutzungshuhn statt Kükenschreddern

Beim Zweinutzungshuhn „Lohmann Dual“ legen die Hennen Eier, die Hähne werden gemästet.

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Foto: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover - University of Veterinary Medicine Hannover;

Über 3,5 Jahre wurde auf dem Lehr- und Forschungsgut Ruthe der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover unter Leitung von Professor Dr. Silke Rautenschlein ein neues Konzept für die Geflügelhaltung untersucht: das Zweinutzungshuhn. Jetzt liegen die Ergebnisse des Projekts "Integhof" vor. Durch die Nutzung einer Linie zur Ei- und Fleischproduktion soll das Töten der männlichen Küken vermieden werden. Weiterhin zielt das ganzheitliche Konzept darauf ab, das Tierwohl zu verbessern, indem der Stress für die Tiere reduziert und die Leistung entschleunigt wird.

Entschleunigung im Hühnerstall
Konventionelle Legehennen­linien legen im Jahr um die 300 Eier, Zweinutzungshennen nur etwa 250. Die Zweinutzungshähne wachsen langsamer und müssen etwa doppelt so lange wie konventionelle Mastlinien gemästet werden, um mit einem Gewicht von zwei Kilogramm in die Schlachtung zu gehen. Durch ihren vom typischen Masthuhn abweichenden Körperbau müssen sie an einem Legehennenschlachthof geschlachtet werden. Alle Zweinutzungshühner waren ruhiger und einfacher im Umgang als Vergleichstiere einer konventionellen Legehennenlinie, die Hähne waren auch mobiler. Auffällig war, dass die Hennen der Zweinutzungslinie bis zum Ende der jeweiligen Legeperiode ein nahezu intaktes Gefieder hatten.

Geringere Futterkosten
Die Hähne der Zweinutzungshühner haben, verglichen mit der konventionellen Linie, einen niedrigeren Eiweißbedarf, sodass ein proteinreduziertes Futter genutzt werden kann, ohne ihre Leistung negativ zu beeinflussen. Die Hennen profitieren von einem faserstoffreichen, nährstoffreduzierten Futter.

Gesundheit und Tierverluste
Nach einer kontrollierten experimentellen Infektion mit dem Gumboro-Virus zeigten die Zweinutzungshühner weniger klinische Symptome. Zudem erholten sie sich schneller von den Organveränderungen.
Insgesamt gab es drei Mast-Durchgänge mit durchschnittlich 2.000 Tieren. Im ersten Durchgang wurden die Tiere 75 Tage gemästet; die Verluste lagen bei 1,5 Prozent. Im zweiten Durchgang wurden die Hähne 63 Tage gemästet mit einer Mortalitätsrate von 1,2 Prozent. Im dritten Durchgang dauerte die Mast 64 Tage und die Verlustrate lag bei 1,7 Prozent. Die Mortalitätsrate der Vergleichslinie Lohmann Brown Plus lag bei jeweils gleicher Mastdauer mit 1,7 bis 2,8 Prozent deutlich darüber.
Aus Sicht der Tiergesundheit und Hygiene war die Haltung der Hennen und Hähne auf einem Hof problemlos, was bei einer kontinuierlichen Probenentnahme und weiterführenden Untersuchung im Labor bestätigt werden konnte.

Hier finden Sie ein Video zu dem Projekt. Hier lesen Sie die Presseinformation der TiHo Hannover zu dem Projekt.