Journal Club 30.11.2001

Klinische Erfahrungen mit der zytologischen Diagnostik beim Hund

››› Die Zytologie hat in den letzten Jahren im Rahmen der klinischen Diagnostik in der Kleintierpraxis erheblich an Bedeutung gewonnen.Wurden zunächst vor allem Umfangsvermehrungen der Haut und Lymphknoten zytologisch untersucht ist es heute möglich,Organbiopsien verschiedenen Ursprungs zu interpretieren.

Als ergänzende Untersuchungsmethode zur Histopathologie weist die Zytologie durch die geringe Invasivität der Materialgewinnung und der Möglichkeit einer konkreten pathologischen Diagnosestellung unter Klinikbedingungen wesentliche Vorzüge auf.So können im Bereich der Haut und Unterhaut vor allem Rundzelltumoren (z.B.maligne Lymphome,Mastozytome,Histiozytome)und epitheliale Tumoren wie Karzinome und Adenokarzinome oftmals leicht diagnostiziert werden.

In dieser retrospektiven Studie wurden die Diagnosen von 3 987 zytologischen Präparaten verschiedener Herkünfte beim Hund aus dem Jahre 1995 ermittelt.Die Präparate wurden entweder aus externen Kleintierpraxen zugesandt oder in der Kleintierklinik der Universität Utrecht direkt entnommen.Es dominierten Präparate aus dem Bereich Haut/Unterhaut (n =1 815),Lymphknoten (n =706)sowie Milchdrüse n =415).

Für die Punktion wurden je nach Lokalisation 22G-Nadeln oder größere Punktionsnadeln (16 –18G)verwendet. Das gewonnene Material wurde auf Objektträgern luftgetrocknet und ohne weitere Vorfixierung nach May-Grünwald-Giemsa gefärbt und bei 1 000-facher Vergrößerung lichtmikroskopisch untersucht.

Der Anteil fehlerhafter Punktate unterschied sich abhängig von den Organbereichen erheblich (Lunge 42 %,Milchdrüse 24 %,Liquor 23 %, Gehörgang 22 %und Mundhöhle 21 %),korrelierte dabei jedoch nur teilweise mit dem Schwierigkeitsgrad der Punktion.

Den Großteil der Veränderungen der 1 815 Haut-/Unterhaut-Präparate stellten chronische (n =124)bzw.purulente (n =112)Entzündungen dar. Bei 116 Proben konnte die Diagnose Mastozytom, bei 91 Proben die Diagnose Sarkom gestellt werden.Zu den häufigen Befunden gehörten neben 302 Fehlpunktaten und 489 physiologischen Proben (Fettgewebe)auch epidermale Zysten (n =77),mesenchymale Proliferationen (n =76)sowie hepatoide Adenome (n =48)und Histiozytome (n =46).Wie oben bereits erwähnt, können Karzinome und Adenokarzinome oft leicht diagnostiziert werden. Sarkome hingegen sind mitunter schwer von chronischen Entzündungen oder Narbengewebe zu differenzieren. Daher ist bei diagnostischer Unsicherheit der Begriff mesenchymale Proliferation zu verwenden. Bei der Untersuchung der 706 Lymphknotenpräparate wurden neben 131 Fehlbioptaten und 27 physiologischen Präparaten vor allem reaktive Hyperplasien (n =264),maligne Lymphome (n =180)und verschiedenartige Tumormastasen (n =58)diagnostiziert.Im Vergleich zur Histopathologie stellt die Lymphknotenzytologie zur Diagnose des malignen Lymphoms (weitgehend monomorphe Tumorzellpopulation)gegenüber einer reaktiven Hyperplasie (heterogene lymphatische Zellen mit physiologischer Ausdifferenzierung)eine sehr sichere Methode dar.Bei einer dennoch unsicheren Differenzierung ist die Diagnose atypische lymphatische Proliferation zu stellen. Zusätzlich ist es inzwischen auch beim Hund möglich,mittels zytologischer Präparate eine Immunotypisierung des malignen Lymphoms durchzuführen.

Die Untersuchung der insgesamt 415 Milchdrüsenpunktate deckte neben 101 Fehlpunktaten und 29 physiologischen Gewebeproben (Fettgewebe,Lymphknoten)vor allem Karzinome (n =60),Adenokarzinome (n =50)sowie purulente Entzündungen (n =47)und hormonelle Stimulationen (n =3)auf. Die Diagnosen von benignen Prozessen sollten speziell bei Milchdrüsenpunktaten kritisch beurteilt werden,da aufgrund der Heterogenität der kaninen Mammatumoren leicht maligne Anteile verfehlt werden können.

Es empfiehlt sich daher Feinnadelaspirationsproben lediglich bei sehr alten Hündinnen oder Tieren mit Verdacht auf Mastitis bzw.Mastitis carcinomatosa durchzuführen. Bei den 139 Leberbiopsien konnten in 31 Fällen Steroidhepatopathien nachgewiesen werden.14 Proben konnten diagnostisch nicht ausgewertet werden und in zwölf Fällen lautete die Diagnose malignes Lymphom. Es folgten mit je elf Nachweisen normales sowie reaktiv entzündetes Lebergewebe. Das Leberpunktionsrisiko kann durch die Verwendung von kleinen Punktionskanülen reduziert werden, zudem ist auch bei Gerinnungsstörungen eine Punktion durchführbar. Zytologisch ist die Abgrenzung pathologischer Prozesse von physiologischen regenerativen Leberprozessen schwierig,da bei Hunden Parameter wie Zellgröße und Kern-Plasma-Relation altersabhängig variieren.

Die zytologische Untersuchung von 125 Körperhöhlenergussproben deckte in der Mehrheit der Fälle (n = 57)reaktives Mesothel auf.Die Abgrenzung zwischen stark reaktivem Mesothel und Mesotheliomen ist allerdings zytologisch oft nicht eindeutig möglich.In weiteren 46 Fällen konnten (septisch-)purulente Entzündungen diagnostiziert werden. Proben von Knochenveränderungen können unter Klinikbedingungen entweder mit Aspirationsbiopsien oder intra operationem als Abklatschpräparate für die zytologische Untersuchung gewonnen werden.Die Differenzierung reparativer Prozesse von Sarkomen und die Zuordnung verschiedener Sarkomtypen erfordert jedoch große Erfahrung des Untersuchers. Von den 32 untersuchten Knochenproben musste in sechs Fällen die Diagnose Osteosarkom und in sechs Fällen die Diagnose Fibrosarkom gestellt werden.Bei weiteren sechs Proben handelte es sich um Fehlpunktate.

Die Mehrzahl (n =40)der Knochenmarkspunktate (n =84)zeigte ein physiologisches zytologisches Bild.Neben der mit zwölf Präparaten häufigsten Diagnose Leishmaniose konnte bei fünf Proben eine myeloide Hyperplasie und bei je vier Untersuchungsmaterialen die Diagnose erythroide Hyper-oder Hypoplasie und Dyserythropoese gestellt werden. Bei acht Untersuchungspräparaten handelte es sich um Fehlpunktionen.Leider fehlen bislang zuverlässige zytologische Referenzwerte für einzelne Altersstufen von Hunden,sodass die Diagnose von myelodysplastischen Syndromen problematisch ist.

Als Methode der Wahl zur Gewinnung von Prostataproben hat sich die Kombination von Kathetersaugbiopsie und ultraschallkontrollierter Punktionsbiopsie erwiesen. Bei der Untersuchung der 80 Prostatapunktate wurde bei 36 Proben die Diagnose Hyperplasie gestellt. Zahlenmäßig folgten das Adenokarzinom (n =10)und die (septisch-)purulente Prostatitis (n =16). Auch die Punktion des Hodens sollte, um die Wahrscheinlichkeit der Aspiratoin diagnostisch relevanter Zellen zu erhöhen,unter Ultraschallkontrolle durchgeführt werden. Von den elf untersuchten Proben zeigten vier Präparate das typische Zellbild des Leydigzelltumors,bei jeweils zwei Proben konnten Seminome, Sertolizelltumore oder eine purulente Entzündung nachgewieen werden.

Feinnadelaspirationsbiopsien der Milz haben häufig eine gute Qualität und Komplikationen bei der Punktion werden selten beobachtet. Bei den 74 untersuchten Milzproben konnte in 15 Fällen eine extramedulläre Hämatopoese und in weiteren 15 Fällen eine lymphoretikuläre Hyperplasie nachgewiesen werden. Bei der Untersuchung von insgesamt 28 Urin/Blasenproben wurden bei acht Präparaten rein physiologische Befunde erhoben. Bei ebenfalls acht Präparaten musste die Diagnose Übergangszellkarzinom gestellt werden. Zudem wurden bei jeweils vier Proben Epitheldysplasien sowie Fehlpunktionen festgestellt. Sinnvoll ist es, zunächst eine frische Urinprobe (kein Morgenurin) zytologisch zu untersuchen. Die Probenflüssigkeit muss nach der Gewinnung schnell zentrifugiert und das Sediment auf einem Objektträger ausgestrichen werden. Zur weiteren Diagnostik wird die Kathetersaugbiopsie empfohlen. Bei der Gewinnung von repräsentativen Nasenzellmaterial ist das Vorgehen unter endoskopischer Kontrolle von entscheidender Bedeutung.Nach der Gewinnung von Probenmaterial mittels Biopsiezange kann ein Abklatschpräparat angefertigt und untersucht werden.Bei den 21 hier untersuchten Präparaten konnte in fünf Fällen die Diagnose Adenokarzinom gestellt und in jeweils vier Fällen purulente Entzündungen oder Plattenepithelkarzinome nachgewiesen werden. Die Feinnadelaspirationsbiopsien bei Nierenprozessen ist aufgrund der beweglichen Aufhängung der Niere eher schwierig. Bei den acht untersuchten Nierengewebsproben handelte es sich in drei Fällen um normales Parenchym und in ebenfalls drei Fällen um ein Adenokarzinom.



Praktischer Tierarzt 82: 12, 1034-1037 (2001) © Schlütersche GmbH & Co. KG, Verlag und Druckerei