Journal Club 01.09.2019

Ein Wurmparadies – auch in Ihrer Praxis?

Nun haben wir es schwarz auf weiß: Deutschland ist ein Paradies für Würmer. Risikobasierte Entwurmungsstrategien? Viel zu selten! Es herrscht Handlungsbedarf.

Leitlinie der ESCCAP
Das European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP) hat Entwurmungsstrategien für Hund und Katze erarbeitet, denen eine Kategorisierung des Helminthose Risikos anhand der Lebensumstände des Tieres (z. B. Freigang, Verzehr kontaminierter Stoffe, Kontakt mit Tieren derselben Art) zugrunde liegt.

Die Empfehlungen sind wie folgt:

  • Risiko A: ein- bis zweimal im Jahr gegen Spul- und Bandwürmer behandeln oder Kotuntersuchung.
  • Risiko B: viermal im Jahr gegen Spul- und Bandwürmer behandeln oder Kotuntersuchung.
  • Risiko C: zwölfmal im Jahr gegen Bandwürmer, viermal im Jahr gegen Spul- und Bandwürmer behandeln oder Kotuntersuchung.
  • Risiko D: zwölfmal im Jahr gegen Spul- und Bandwürmer behandeln oder Kotuntersuchung (Katzen in dieser Gruppe sollen gemäß aktuellster Version der Leitlinie wie Risiko B behandelt werden).

Umsetzung in Deutschland: Mangelhaft bis ungenügend
In Deutschland werden Hunde durchschnittlich zweimal pro Jahr entwurmt; Katzen nur 1,7-mal. Viel zu wenig für die meisten Tiere, wie die Daten zeigen: In der Befragung hatten 62 Prozent der Hunde Risiko D, 31 Prozent Risiko C, fünf Prozent Risiko B und nur zwei Prozent Risiko A. Bei den Katzen fielen 47 Prozent in Risiko D und 53 Prozent in Risiko A. Die Entwurmungshäufigkeit war bei Katzen mit Risiko D höher als bei Katzen mit Risiko A; Hunde mit höherem Risiko wurden hingegen nicht häufiger entwurmt.

Dringender Handlungsbedarf
Es besteht erheblicher Aufklärungsbedarf der Tierhalter. Das ist eine tierärztliche Aufgabe. So sah man in der Erhebung auch eine positive Korrelation zwischen der Anzahl der Tierarztbesuche pro Jahr und der Entwurmungshäufigkeit. Ernüchternd ist aber, dass sich deutlich weniger als zehn Prozent der Tierhalter bei einer Tierarztpraxis über Entwurmungen informieren – man verlässt sich ggf. lieber auf das Internet. Es ist deshalb höchste Zeit, sich im Bewusstsein der Tierhalter als Experte wieder in Erinnerung zu bringen und aktiv die Compliance des eigenen Kundenstamms zu verbessern. Dies dient nicht nur dem Tierwohl, sondern senkt auch das Zoonoserisiko.
CHRISTIANE FETZER

Originalpublikation:
Strube C, Neubert A, Springer A, von Samson-Himmelstjerna G (2019): Survey of German Pet Owners Quantifying Endoparasitic Infection Risk and Implications for Deworming Recommendations. Parasit Vectors 12(1): 203.
DOI 10.1186/s13071-019-3410-2.