Journal Club 24.04.2019

Fliegenmaden in der Nase eines Alpakas

Selten, aber nicht unmöglich: Myiasis bei einem Neuweltkameliden in Niedersachsen.

Eine Infestation mit Fliegenmaden kann zu respiratorischen Problemen führen. Verschiedene Fliegenspezies kommen in Betracht, hierzulande bei Neuweltkameliden insbesondere die Schafbremse ( Oestrus ovis) und Rachendasseln ( Cephenemyia spp.). Die eigentliche Nasendassel der Kamele, Cephalopina titillator, kommt in Zentraleuropa nicht vor. Bisherige Berichte betreffen Lamas, wohingegen für das Alpaka bisher keine Fälle bekannt sind.

Der Fall
Ein fünfjähriger kastrierter Alpaka- Hengst, der mit vier Stuten zusammen gehalten wird, fiel seit drei Wochen durch heftige Niesattacken von teilweise bis zu zwei Stunden Dauer auf. Bei der klinischen Untersuchung ließ sich Niesen durch Druck auf den Nasenrücken auslösen und es lag beidseitig seröser Nasenausfluss vor. Die Atemgeräusche waren physiologisch. Die endoskopische Untersuchung der Nase unter Allgemeinanästhesie zeigte etwa 15 Zentimeter tief im Nasengang eine erhebliche Umfangsvermehrung, in der sich mehrere Fliegenmaden bewegten. Es war nicht möglich, Maden zu entnehmen, da Manipulationen der Umfangsvermehrung zu Blutungen führten.

Das Alpaka wurde einmalig mit Doramectin (Dectomax®) in einer Dosierung von 0,2 mg/kg subkutan behandelt. Fünf Tage später war kein Niesen mehr auslösbar und eine erneute endoskopische Untersuchung ergab eine deutliche Schrumpfung der Umfangsvermehrung und keine sichtbaren Maden mehr. Auch wenn eine Bestimmung der Madenart in diesem Fall nicht zweifelsfrei möglich war, sprachen mehrere Indizien dafür, dass es sich um Cephenemyia spp. gehandelt hat: Das Alpaka hatte keinen Kontakt mit Schafen, wohl aber mit
Rehen, dem Endwirt dieser Rachendasseln; ferner sprach die starke Schwellung für Rachendasseln, die eine besonders starke Immunreaktion hervorrufen; und nicht zuletzt glichen die endoskopisch beobachteten Maden denen der Rachendassel.

Fazit
Fliegenmaden können offenbar durchaus die Ursache respiratorischer Störungen bei einem Alpaka sein und sollten deshalb differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden. Eine Behandlung mit Doramectin war erfolgreich.
CHRISTIANE FETZER

Originalpublikation:
Punsmann TM, Grimm LM, Reckmann C, Schwennen C, Wagener MG, Ganter M (2018): First report on nasal myiasis in an alpaca „Vicugna pacos“ – a case report. BMC Vet Res 14: 384.
DOI 10.1186/s12917-018-1706-7.