Journal Club 09.01.2019

Kälberdurchfall wirkt direkt aufs Herz

Bei Durchfallerkrankungen gerät der extrazelluläre Kaliumspiegel rasch aus dem Gleichgewicht. Das Herz nimmt es übel – schrittweise und vorhersagbar, wie nun eine Studie belegt.

Kälber haben bei Durchfall durch erhöhte Verluste und geringe Milchaufnahme eine negative Kaliumbilanz. Dennoch sind sie oft normo- oder gar hyperkaliämisch. Der wichtigste Auslöser der höheren Plasma-Kaliumkonzentration (cK+) scheint die Dehydratation mit folglich verringerter glomerulärer Filtrationsrate zu sein. Aber wie wirken sich die Verschiebungen auf das Herz aus?

Ergebnisse
Insgesamt 130 Kälber (Durchschnittsalter neun Tage) mit Durchfall wurden labordiagnostisch und mittels EKG untersucht. Bei 44 Kälbern (34 Prozent) lag eine Hyperkaliämie vor, bei 73 Kälbern (56 Prozent) eine Normokaliämie, und bei 13 Kälbern (zehn Prozent) eine Hypokaliämie. Von den normokaliämischen Kälbern hatten 16 einen venösen Blut-pH ≥ 7,35, die übrigen 57 Tiere < 7,35.

Bei den hyperkaliämischen Kälbern (cK+: 5,8–10,2, Blut-pH: 6,55–7,47) waren im Vergleich mit normokaliämischen, nicht-azidotischen Kälbern die EKG-Werte wie folgt verändert: In der II. Ableitung war die QRS-Dauer statistisch signifikant länger, außerdem waren die Amplituden der S-Zacken verringert, die der T-Wellen und der ST-Strecken erhöht. Bei cK+ > 6,5 mmol/l nahm zunächst die P-Amplitude ab, bei > 7,4 mmol/l nahm die S-Amplitude ab, bei > 7,8 mmol/l verlängerte sich die QRS-Dauer, der J-Punkt stieg bei > 7,9 mmol/l an und bei > 9,1 mmol/l verliefen die ST-Strecken aszendierend. Bei cK+ > 58,2 mmol/l war keine P-Welle mehr messbar.

Allerdings zeigten sich auch bei den normo- und hypokaliämischen Kälbern EKG-Veränderungen wie steile und spitze T-Wellen, tiefe S-Zacken und verbreiterte QRS-Komplexe und ST-Hebungen. Demnach scheint sich auch die Azidose negativ auf die Erregungsleitung auszuwirken.

Schlussfolgerung
Elektrolyt-Imbalanzen und Azidose wurden hier überzeugend als ernste Risikofaktoren für das Herz dokumentiert – und liefern damit einen weiteren guten Grund, sich um die rasche Wiederherstellung von Normalwerten bei Kälbern mit Durchfallerkrankungen zu bemühen.
CHRISTIANE FETZER

Originalpublikation:
Trefz FM, Lorenz I, Constable PD (2018): Electrocardiographic findings in 130 hospitalized neonatal calves with diarrhea and associated potassium balance disorders. J Vet Intern Med 32: 1447–1461.
DOI 10.1111/jvim.15220.