Journal Club 08.09.2019

Ovariektomie: Ist die Laparoskopie dem offenen Eingriff überlegen?

Eine retrospektive Studie ergab weniger Komplikationen bei laparoskopischem Vorgehen als beim offenen Eingriff. Was sagt uns das?

Im Fokus der Studie standen Komplikationsraten und Wundheilungsstörungen bei Hündinnen nach einer Ovariektomie mittels Laparoskopie (n = 154) oder offener Chirurgie (n = 106). Hierzu wurden Datensätze von Eingriffen zwischen 2013 und 2018 ausgewertet, die bei insgesamt drei Tierärzten mit ähnlichem Erfahrungs- und Trainingsstand erhoben wurden. Die Komplikationen wurden anhand der Clavien-Dindo-Skala kategorisiert, die Wundheilungsstörungen anhand von Leitlinien des U.S. Center for Disease Control.

Die Ergebnisse
Der offene Eingriff ergab eine Komplikationsrate von 44 Prozent. Wundheilungsstörungen traten bei 28 Prozent der Hunde auf, die Mehrzahl davon war geringgradig und selbstlimitierend. In fünf Prozent der Fälle wurde eine oberflächliche Infektion der Wunde dokumentiert, in einem Fall eine tiefe Infektion. In vier Prozent der Fälle trat eine Hernie auf. Der laparoskopische Eingriff ergab eine Komplikationsrate von 20 Prozent. Wundheilungsstörungen wurden bei elf Prozent der Hunde verzeichnet, die Mehrzahl davon war unbedeutend. In drei Prozent der Fälle lag eine oberflächliche Infektion der Wunde vor; tiefe Infektionen und Hernien kamen nicht vor.

Das Fazit
Die hier betrachteten Fälle ergaben einen Vorteil für die Laparoskopie. Die Autoren weisen zu Recht auf die methodischen Einschränkungen hin, denen eine retrospektive Studie unterliegt. Sie meinen, dass mit einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT) bessere Daten generiert werden könnten. Allerdings ist eine RCT ein „Elfenbeinturm“. Hier werden Parameter standardisiert, die in der Praxis variabel sind: Erfahrung und Training, Anästhesieprotokolle, Vor- und Nachsorge – um nur einige zu nennen. Die Übertragbarkeit von RCT Ergebnissen auf den Praxisalltag wäre fraglich.

Wünschenswerter wäre eine breit angelegte Datenerhebung im „echten Leben“, welche die Variabilität der Praxen widerspiegelt. Solche Daten würden jedem Tierarzt ermöglichen, seine Methoden zu reflektieren und aus Erfahrungen anderer zu lernen.
CHRISTIANE FETZER

Originalpublikation:
Charlesworth TM, Sanchez FT (2019): A comparison of the rates of postoperative complications between dogs undergoing laparoscopic and open ovariectomy. J Small Anim Pract 60: 218–222.
DOI 10.1111/jsap.12993.