Journal Club 09.12.2018

Thrombozytenreiches Plasma nach Kreuzbandriss

Nach einem Kreuzbandriss gilt es, die Osteoarthritis in Schach zu halten und die Gelenkfunktion zu verbessern. Eine modifizierte Eigenbluttherapie mit thrombozytenreichem Plasma könnte bald eine Therapieoption sein.

Das Studiendesign
Untersucht wurde die Wirkung eines autologen thrombozytenreichen Plasmas (platelet-rich plasma, PRP) auf das Gangmuster von Englischen Bulldoggen, die nach Riss des vorderen Kreuzbandes Kniegelenksarthrose mit deutlicher Lahmheit aufwiesen. Hierzu führten die Forscher aus Gran Canaria standardisierte Ganganalysen durch. Es nahmen zwölf erkrankte Hunde teil; als Kontrolle wurden die entsprechenden Daten von zehn orthopädisch gesunden, unbehandelten Englischen Bulldoggen verwendet.

Die Therapie
Es wurden jeweils 10 ml Vollblut abgenommen, mit Na-Citrat versetzt und abzentrifugiert. Die thrombozytenhaltige Schicht wurde abpipettiert, mit zehnprozentigem Kalziumchlorid aktiviert und in das betroffene Gelenk injiziert. Insgesamt erhielt jeder der zwölf erkrankten Hunde vier Injektionen im Abstand von jeweils sieben Tagen. Die Nachbeobachtungsdauer betrug sechs Monate nach der ersten Injektion; Daten wurden an den Tagen 0, 30, 90 und 180 erhoben. In den zwei Tagen nach jeder Injektion durften die Hunde maximal 30 Minuten täglich an der Leine ausgeführt werden; während der gesamten übrigen Studiendauer waren maximal dreimal 30 Minuten täglich an der Leine erlaubt.

Das Ergebnis
Die Ganganalyse-Werte verbesserten sich bei den erkrankten Hunden innerhalb der vier Behandlungswochen deutlich und waren an Tag 30 mit denen der gesunden Kontrolltiere vergleichbar. Nach Behandlungsende fielen die Werte jedoch stetig ab und lagen nach sechs Monaten beinahe wieder auf dem Ausgangsniveau.

Diskussion
Den in den Thrombozyten enthaltenen Wachstumsfaktoren werden heilungsfördernde und entzündungshemmende Wirkungen zugeordnet. Aus der Humanmedizin weiß man, dass PRP Hunderte von Botenstoffen im behandelten Gelenk freisetzen kann, darunter auch viele unerwünschte. Ebenso ist bekannt, dass der Herstellungsprozess und individuelle Patientenfaktoren großen Einfluss auf die Zusammensetzung des PRP-Produktes haben. Hier ist noch viel Forschungsarbeit nötig. Deshalb empfiehlt es sich, die Entwicklungen wachsam zu verfolgen – aber vielleicht mit dem Nachahmen der Methode noch ein wenig zu warten.
CHRISTIANE FETZER

Originalpublikation:
Vilar JM, Manera ME, Santana A, Spinella G, Rodriguez O, Rubio M et al. (2018): Effect of leukocyte-reduced platelet-rich plasma on osteoarthritis caused by cranial cruciate ligament rupture: A canine gait analysis model. PLoS One 13(3): e0194752.
DOI 10.1371/journal.pone.0194752.